Heinz & Hilde auf Expedition in der Thar-Wüste

Nach sovielen Städten hatten wir vorerst die Schnauze voll von Sightseeing, smoggigen, lauten, dreckigen und vollen Strassen. Irgendwas anderes wäre mal nett. Aber was machen, wenn man sich in einem Wüsten-Staat wie Rajasthan befindet? Genau – wir basteln uns n Turban, klauen uns zwei Kamele und werden zu Schamanen… oder so ähnlich.

…sieht leerer aus als es in Wirklichkeit war!

Gesagt getan. Somit ging die Fahrt nach Bikaner – nahe der Pakistanischen Grenze – und mitten in der Thar- Wüste. In der brütenden Nachmittagshitze gehts in Jaipur mit dem Zug los in der nichtklimatisierten, dafür luftig-fensterfreien Holzklasse die vollgestopft mit neugierig gaffenden und glotzenden Indern ist. (Man kommt sich etwas vor wie E.T., so wie die einen anstarren) Nach einer 6 stündiger Sauna-Fahrt, Schenkelschweiss-an-Schenkelschweiss, kommen wir spät abends in Bikaner an… immernoch gefühlte 40 Grad – wir sehen schon die Schlagzeile vor uns “Deutsche Kamel-Diebe erleiden Hitzeschlag”. Am nächsten morgen solls los gehen Kamele foppen.

Unser Kamel-Dealer Vino stellt sich als Mafia-Mann erster Güte raus und man will nicht wissen was er neben Kamel-Safaris noch anbietet und verkauft. Er bringt uns mit dem Auto in die Wüste, dort sollen wir unsere Kamele inkl. englischsprechendem Guide und die Kameltreiber treffen. …oder er erschiesst uns rücklings und klaut die 5000 Rupien die wir bei uns haben…

Hinz & Hild

Doch alles gut. Zwei gesattelte Kamele, ein Kamel mit Karren, 2 Kameltreiber 1 Kameljunge und ein Guide warten bereits auf uns. Huii, ganz schön gross diese Wüstenmopeds, wenn die vor einem stehen. Zum Glück können die ihr Fahrgestell zum Einsteigen zusammenklappen. Ohne grosse Instruktion sollen wir aufsteigen auf die Kamele – aber Moooment, erstmal möchte ich deinen Namen wissen – also vom Kamel… “oh actually the camel-man don’t give names to them, you know they sell them if they don’t need them or they need the money…” – seis drum, hallo Heinz, gestatten wenn ich mich auf dich setze? Heinz rülpst oder lässt einen animalisches Geräusch von sich, was ich als Ja interpretiere und geschmeidig wie John Wayne schwinge ich mich auf Heinz’ Rücken. “Now, attention and hold on tight!” – hää…was? – und schon gehts hoch – wie eine Hebebühne, dem die Nockenwelle verrutscht ist rüttelt und tut Heinz unter mir und in drei Aufsteh-Phasen erreicht er seine endgültige Einsatzhöhe. Sarah weiss zum Glück bereits was auf sie zukommt, staunt aber auch nicht schlecht über das Aufstehprocedere ihrer Hilde. Wir hatten ja bereits vorab gelesen, dass Kamel-Reiten sehr gewöhnungsbedürftig ist, aber dass mein Heinz auch noch Allrad-Probleme hatte und bei jedem zweiten Schritt eine Fehlzündung oder nervöse Zuckung hatte, machte das Geholpere nicht geringer.

Links im Bild: Hinz, rechts Hild

Hat Hild frisch Wimperntusche aufgelegt?

 

Das 5-Phasiges-Abstiegsprocedere

 

 

 

Ab in die Wüste

Es ist 10 Uhr als es los geht und der Planet zeigt uns was Sonne-satt in Indien bedeutet! Vor uns endlose karge Hügel mit rotgelbem Sand, wenig wirkliche Dünen, dafür mehr Steppe und Tiere. Wüstenfüchse, Antilopen, Echsen, Geier und etliche Kadaver von verendeten Kühen und Schafen. Ansonsten passiert relativ wenig, man lässt sich gut von seinem fahrbaren Untersatz durchrütteln, geniesst die Aussicht und Ruhe, die lediglich von den monotonen Geräuschen des Wagens sowie den Rülps- und Kaugeräuschen der Kamele gestört wird. (Wobei Sarahs Hilde die deutlich Verfressenere war, sie zauberte sich ständig wieder einen Snack aus den Tiefen ihres Magens hervor). Gegen Mittag legen wir eine lange Siesta ein, und die Kamel-Männer bereiten ein einfaches aber köstliches Gemüse-Curry sowie leckere frische Chiapatti auf einer Feuerstelle zu. Die Kamele suchen sich ihrerseits auch Snacks an den dornigen und dürren Steppenbäumen. Am Nachmittag gehts dann nochmal für 3 Stunden auf die Wüstenmopeds, unsere Allerwertesten sind heilfroh als wir abends das Nachtlager erreichen…

Hitzeschlag oder Mittagschlaf?

Auch den Antilopen macht die Hitze zu schaffen…

…Wir wollen unter freiem Himmel in der Wüste übernachten, wie wir gehört haben muss der Sternenhimmel gigantisch sein. Dummerweise ist Vollmond, Mensch haben wir ein Glück, haha. Dafür warten bereits zwei kühle Biere auf uns – die ein Inder, der mit einer anderen Touristin den Sonnenuntergang in der Wüste betrachten wollte, uns mitbringt. So geniessen wir den Sonnenuntergang mit Kingfisher – und haben widererwartend doch etwas zum anstossen, denn heute ist unser Around-The-World-Bergfest (=Halbzeit). Abends gibt es wieder ein leckeres Curry, dann verabschieden sich die Camel-Man inkl. Kamele, die morgen früh versprechen wiederzukommen und wir verbringen den Abend mit unserem, wie sich heraustellt, sehr netten Guide Hussein und haben einen interessanten und unterhaltsamen Abend mit ihm.

Proschd Hinz!

Es gab auch Dünen…

Die Nacht unter freiem Himmel ist trotz Vollmond und fehlenden Sternen eine besondere Erfahrung, auch wenn die “Betten” keineswegs deluxe sind. Zum Sonnenaufgang gibts Chai und Toast, dann geht es bald auch wieder los auf Hinz & Hild. Grosse “Aha”- oder Landschaftsänderungen gibt es nicht, nur die Anzahl der Strommasten nimmt stetig zu, ein Indiz dafür, dass wir wieder auf dem Rückweg sind. Es folgt wieder eine lange Siesta und wir sind froh, dass es danach nur noch eine Stunde auf dem Kamel zum Abholpunkt zurückgeht und wir a.) aus der Sonne sind b.) eine Dusche auf uns wartet.

Tag 2 – los gehts…

Kurz vor der Endstation…

Abends laden wir unseren Guide noch zum Essen ein und schlendern mit ihm noch etwas durch die Altstadt von Bikaner, hier hat uns der gewöhnliche indische Stadtwahnsinn dann schnell wieder eingeholt. Dann gehts recht früh ins Bett, denn am nächsten Tag müssen wir früh los , um die Marathon-Zugfahrt nach Mumbai anzutreten (24h 10 Min.) Es war wiklich eine tolle Sache die Wüste mal hautnah zu erleben, aber wir sind uns einig, dass 2 Tage völlig genügen, danach wirds wohl eher langweilig und anstrengend für den Arsch. (Und schon diese beiden Tage haben deutliche Spuren hinterlassen – Jetzt haben wir im wortwörtlichen Sinn den Arsch offen! – autsch.)

Next Stop Mumbai.

 

…und hier noch ein paar Bilder von der Kamelsafari

5 thoughts on “Heinz & Hilde auf Expedition in der Thar-Wüste

  1. Volker sagt:

    ich WERF MICH WEG.. hab tränen in den Augen!!!

    n fuffy für die gedanken von ‘s hinz und s ‘hild als ihnen aufgefallen ist das IHR gleich aufsteigt und hoffentlich schön schwäbisch rumgebrabbelt
    “ja isch halt koi benz gäää”
    “tüv hodder wahrscheinlich au nedda”
    “blinker, zwoider gang, kubblung…näx”
    habt :-D :-D
    …. da hätte ich auch startschwierigkeiten.

    Denen beiden hätte aber sicher so ein gebiss aus thailand gut gestanden :-D

  2. Sarah&Hardy sagt:

    Also bei den Gebissen bin erschrocken, denn ich glaub das WAREN die, die wir gesehen hatten, sahen aber eigentlich ganz schmuck aus, nicht 0815 – nur halt net in stylischem blau, aber Joggl: des ham wir für uns scho reservieren lassen! Hattest recht, hat was mythisches :)
    Ja aber ehrlich wahr, das war auch keine schwäbische Qualitätsarbeit, die haben unkontrolliert Schwerstaub-Brocken ausm Auspuff geworfen, der Vergaser war zu fett eingestellt und die Stossdämpfer waren DEFINITV durch, aber sonst so robust wie an guter T4 (koin roschd=kann koi Ducato sei) die Kamel-Treiber haben es mit einem “hihi, yes sil, no problem sil, no ploblem” und einer alles-und-nichts-bedeutenden Kopfwackel-Bewegung hingenommen.
    @Joggl: dachte du der andere Alte wollten gerade im Land des schwarzen Weins und der Tapas-Berge sein??? Hat Knauss sei Rentnerfährdle abgesagt?? Verwirrung herrscht.

  3. Joggl sagt:

    Mein liebes Team Flutschpup, Nagel uffn Kopp! Die hälfte der Reisegruppe ist plötzlich unpässlich, da leider im jugendlichen Alter von durchschnittlich 105 Jahren (Jochen nicht mitgerechnet der versaut jeden Schnitt) der Gevatter arg ins Kreuz gegriffen hat .
    Sind halt keine so bogglharte Kerle wie mir. Noi war a Witz.
    Knauss Senior- Jet hat sich verbucht. Ducato reserviert, der isch aber leider übers letzte Wochenende ins Nirvana nomoxidiert und diskutiert jetzt vermutlich mit nem gerissen durchtriebenen Yogi die Vorteile von vollverzinkten Ventilkappen.
    Man fand jedenfalls nur noch einen wunderschön designten Scheibenwischerhebel auf der Gass. Traurige Gschicht. Hätt auch ein blaues Gesichtsklavier nix mehr geholfen.

  4. Joggl sagt:

    :D glaub die ersten 5 Bilder bedeuten, Sarah hats Moped abgewürgt :D

  5. Anna-Silke-Volker sagt:

    Hahahahahahaha, selten so gelacht…. :-) Trainingslager wäre da wohl nicht ganz schlecht gewesen, oder??
    Hättet halt Heinzi und Hildi ne anständige Packung Möhren mitbringen müssen… aber sehr amüsant geschrieben – wir wollen meeeehr!!

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